Absteigen gilt nicht

70 Hobbysportler radelten beim Spinning Marathon für die Polizeistiftung "David + Goliath" - (NRZ vom 23. Januar 2006)

Antje Scholl

Und eins, und zwei, und drei ", tönt es aus den Lautsprechern. "Und weiter geht`s. Nur nicht schlappmachen!" Dazu durchdringt ein ständiges Surren den Fitnessraum im Heißener Sport-Treff an der Hardenbergstraße. Übertönt wird es nur durch dröhnende Beats aus den Boxen. Dort, wo normalerweise im Takt gehopst wird, lauschen am Samstagnachmittag 70 Hobbysportler den Kommandos ihrer vier "Instructoren", die den Ton angeben beim zweiten Spinning-Marathon. Für einen guten Zweck strampeln Profi- und Freizeitathleten auf den Standfahrrädern, was die Muskeln hergeben.

1.400 Euro für Mülheimer Kinder

20 Euro Startgeld haben sie dafür bezahlt, das Letzte aus ihren Körpern herauszuholen und sich von den vier Motivationskünstlern auf der Empore zu Höchstleistungen anspornen zu lassen. Die eingenommenen 1.400 Euro gehen an die Polizeistiftung "David + Goliath", die Mülheimer Kinder unterstützt, die durch Verbrechen oder Unglücke Schicksalsschläge erleiden mussten.

Den Radlern selbst winkt nach vier anstrengenden Stunden lediglich ein T-Shirt - und die Genugtuung, den inneren Schweinehund überwunden und für einen guten Zweck gespendet zu haben.

Auch Polizeipressesprecher Thomas Weise ist in den Raddress gestiegen und tritt tapfer in die Pedale, allerdings ist er von seinen physischen Fähigkeiten noch nicht restlos überzeugt: "Ich bin nicht ganz sicher, ob ich die vier Stunden schaffe."

Weniger Sorgen macht sich da der 72-jährige Gerd, der mit seiner ganzen Routine die erste halbe Stunde in Angriff nimmt. Aber vier Stunden strampeln? Für ihn kein Problem! Bei anderen fließen bereits nach fünfzehn Minuten die ersten Schweißbäche, müssen Trinkflaschen bemüht und Handtücher gezückt werden.

Motivator Helmut Sachse, Sportmediziner und Diplom-Sportlehrer, heizt seinen Schützlingen zu den Rhythmen von "Let`s twist again" derweil heftig ein. "Los, wir erhöhen noch ein bisschen das Tempo!" Was sich bei dem Mann mit dem Spitznamen "Spinning Doc" so einfach anhört, setzt einigen Radlern sichtlich zu. Dabei kann jeder sein Sportgerät individuell einstellen, kann den Pedal-Widerstand je nach Muskelkraft und Puste erhöhen oder herabsetzen. Gerade dies ist nach Ansicht von Helmut Nattler, Leiter des Bereichs Fitness im Treff, der Vorteil beim Spinning: "Es können Leute mit dem unterschiedlichsten Leistungsvermögen gemeinsam in einer Gruppe fahren.

Zumindest nach einer halben Stunde bewegen noch alle die strammen Waden gemeinsam im Takt der flotten Musik und zu den Stakkato-Kommandos der vier topfitten Vorradler. Ob allerdings nach vier Stunden tatsächlich noch alle 70 Marathon-Teilnehmer im Sattel sitzen? Wer weiß das nach nicht einmal einem Drittel der geradelten Zeit schon so genau. Doch eines steht bereits jetzt fest: Die Gruppendynamik und der gute Zweck kitzeln sicherlich bei jedem - ob Profi- oder Breitensportler - noch ein Quäntchen mehr Leistung heraus.